#23 „Der Befehl“ von Scott Turow

Der Journalist Stewart Dubinski weiss eigentlich nicht viel über die Beteiligung seiner Eltern am 2. Weltkrieg. Bisher war ihm nur bekannt das sein Vater als Militäranwalt gedient und seine Mutter in einem Konzentrationslager kennen und lieben gelernt hat. Als sein Vater stirbt, findet er beim Aufräumen alte Briefe und Aufzeichnungen aus der Kriegszeit, die die Familiengeschichte in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt. Stand sein Vater wirklich vor einem Krigesgericht, weil er aus Liebe zu seiner Mutter alles aufs Spiel gesetzt hatte?

Das Buch von Scott Turow ist wie es der Buchrücken verspricht: Fesselnd wie Grisham und Bildgewaltig wie Spielberg. Es erzählt die Geschichte des unerfahrenen Militäranwalts David Dubin, der unbedingt in den 2. Weltkrieg ziehen will, um seinem Land zu dienen. Nachdem er in den ersten Monaten durch die Juristerei weit weg vom eigenlichen Kriegsgeschehen seine Nützlichkeit für sein Vaterland in Frage stellt, gerät er
plötzlich in den Sog der Kampfhandlungen und bereut nicht nur einmal, das er trotz aller Widerstände seiner Eltern zur Army gegangen ist. Scott Turow zeigt in beeindruckenden Bildern einmal mehr, das in einem Krieg selbst der vermeintliche Gewinner auf der Verliererseite steht. Es zeigt auf wozu Menschen fähig sind, wenn die Verzeifelung oder Not nur groß genug ist. Einerseits bewundert man die unglaublichen Geschichten von Menschen, die selbst in aussichtslosesten Situationen aufgrund ihres Lebenswillens
überlebt haben und andererseits scheitert man immer wieder an der Frage, warum Menschen in solchen Situationen zu Tieren werden und zu Dingen fähig sind, die jenseits unserer Vorstellungskraft liegen. Ich habe mich beim Lesen immer wieder gefragt, wozu ich in den dargestellten Extremsituationen fähig wäre und wo meine Grenzen sein könnten. Abgesehen davon, das ich für mich keine Antwort gefunden habe, weil diese Dinge einfach unvorstellbar sind, habe ich mich einfach nur darüber gefreut, das wir derzeit, zumindest in Europa, von solchen Zuständen weit entfernt sind und in absehbarer Zeit hoffentlich auch bleiben.

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